Verlustängste, Verlust und das Leiden in der Trauer

Verlustängste, Verlust und das Leiden in der Trauer

Die Schatten unserer Selbst: Verlust, Trauer und Leiden

Einen geliebten Menschen zu verlieren ist oftmals äußerst schmerzvoll. Dabei spielt es weniger eine Rolle, ob wir jemanden durch Tod verlieren, oder eine Person, die uns wichtig ist, nicht mehr Teil unseres Lebens sein möchte.

So oder so, wir können niemanden halten, der nicht bei uns bleiben kann oder will. Und so schwer es uns auch fallen mag, wir müssen die Entscheidungen unseres Gegenübers akzeptieren.

Zwar ist das Leiden durch das eventuell sogar plötzliche und für einen Partner unerwartete Ende einer Beziehung unter Umständen extrem belastend und hat das Potential Menschen bis in die Depression zu manövrieren, doch ist oftmals der Tod einer geliebten Person das traumatischste Erlebnis.

Der Tod ist etwas Endgültiges. Es gibt keine Chance mehr auf ein Wiedersehen, auf Versöhnung oder einen zweiten Versuch. Der Tod bringt niemanden zurück und genau das ist der Aspekt, der die Trauer für die Hinterbliebenen zwar nicht zwangsläufig verstärkt – Verlust ist Verlust – doch möglicherweise das persönlich empfundene Leid dramatisch steigern kann.

 

Loslassen müssen ist schwerer als Auf Wiedersehen sagen

Die absolute Endgültigkeit und Gewissheit, dass ein Wiedersehen im Leben ausgeschlossen ist, machen den Verlust eines Menschen, welcher verstorben ist, so schwer.

Die neuen Lebensumstände zu akzeptieren und für sich selbst zu realisieren, dass man von nun an, ohne diese eine gewisse Person weiterleben wird und muss, ist für viele eine Herausforderung. Diese Herausforderung zu meistern braucht vor allem eines: Zeit.

Die Zeit, welche jemand für die Verarbeitung von Trauer und Verlust benötigt, kann ganz unterschiedlich sein. Wichtig ist in jedem Falle, dass man sich die Zeit, die man braucht nimmt und keinesfalls sich selbst unter Druck setzt. Jeder Mensch verarbeitet Verlust anders. Wer sich besonders schwer tut, seine Trauer zu überwinden, mit dem Verlust auf längere Sicht konstruktiv umzugehen, oder schlichtweg aus dem anfänglichen Stadium der Depression nicht mehr aus eigener Kraft herauskommt, bedarf möglicherweise professioneller psychologischer Beratung. In schweren Fällen ist unter Umständen sogar eine Psychotherapie anzuraten.

Trauer und Verlust dürfen trotz ihrer Natürlichkeit im Verlauf des Lebens nicht unter den Tisch gekehrt werden. Wenn das Leiden übermäßig heftig wird und unerträgliche oder stark alltagseinschränkende Formen annimmt, ist Hilfe in Form von psychologischer Beratung und Trauerbegleitung ein wichtiger Anker für Betroffene.

 

Alles ist wie immer und dennoch ist nichts wie vorher

Verlust, Trauer und Leiden sind für mich momentan sehr aktuelle Themen. Vor Verlust ist niemand von uns jemals sicher. Und auch wenn es inzwischen zu oft wiederholt wurde, um noch jemanden wirklich im Kern zu erreichen, so merkt man gerade in schweren Zeiten der Trauer, wie vergänglich jeder Moment ist. Diese ganzen Momente, die nie wieder kommen werden und welche man nicht so genutzt hat, wie man sie hätte nutzen sollen und wollen, als derjenige, der heute nicht mehr bei uns ist, noch da war.

In diesen Zeiten der Erkenntnis kommen oftmals so viele verstrichene Gelegenheiten und Chancen in unseren Sinn. Dann vermischt sich die Trauer mit Wut, das Leiden nimmt zu und das Überwinden der Trauer wird emotional schwerer.

Ich habe auch jemanden verloren und es hat mir regelrecht, den Boden unter den Füßen weggerissen. Plötzlich ist man wie auf Autopilot, die Welt um einen herum dreht sich weiter, doch in diesen schweren Zeiten scheint die Zeit für einen selber nahezu still zu stehen. Bis man realisiert, was da gerade passiert ist und man die Welt um sicher herum nicht mehr als unwirklich empfindet, können Tage, manchmal sogar Wochen vergehen.

Sie war für mich, wie ein Kind, wenngleich sie nicht mein Kind war. Aber macht das wirklich einen Unterscheid? Das Herz liebt, was das Herz nun mal liebt. Dabei spielen Dinge, wie Genetik und Verwandtschaft keinerlei Rolle. Nicht die Tatsache, dass man blutsverwandt ist bestimmt die Wichtigkeit einer Beziehung, sondern allein die Intensität der geistig-emotionalen Begegnungen und die Tiefe der Intimität formen die Liebe zu unserem Gegenüber.

 

Da Leben geht weiter bzw. muss weitergehen

Nach einem herzzerreißenden Verlust ist zunächst nichts mehr wie vorher. Das eigene Leben wird von jetzt auf gleich förmlich umgekrempelt und man durchlebt das persönliche Pendant einer emotionalen Hölle. So jedenfalls würde ich meine Erfahrungen und Empfindungen zu Verlust beschreiben.

 

Jemand beschrieb mir das Gefühl von Trauer und Leid einmal wie folgt:

„Es ist, wie wenn einem bei vollem Bewusstsein das Herz aus der Brust gerissen wird, man dabei zusehen muss und anschließend ohne dieses Herz weiterleben muss. Aber man weiß, dass man ohne Herz nicht leben kann.“

 

Es ist völlig normal, nicht materiell fassbare Dinge, wie Gefühle in Bildern zu formulieren. Nur so können wir uns anderen mitteilen und diese Gefühle uns selbst gegenüber kommunizieren. Die Emotion im Bild dient dabei nicht ausschließlich dem Mitteilen, sondern hat zudem einen nicht zu unterschätzenden Wert für die emotionale Verarbeitung von negativen Gefühlen, wie der Trauer.

Bewusst wird mir dieser Umstand zwischen dem Formulieren von negativen Gefühlen in Bildern und dem Verarbeiten eben dieser Gefühle vor allem im Hinblick auf die Entstehung von Depressionen. So darf davon ausgegangen werden bzw. gehe ich davon aus, dass verdrängte negative Gefühle, welche letzten Endes von ihrer Erinnerung, also dem Bild, abgelöst wurden, in Form von einer Depression wiederkehren können, um sich Aufmerksamkeit zu verschaffen.

Diesen Zusammenhang betrachte ich persönlich seit vielen Jahren als zentral in Bezug auf die Genese / Entstehung von Depressionen.

 

Verlustängste und tatsächlicher Verlust

Verlustängste sind weit verbreitet in der Gesellschaft und mit Sicherheit kennen sehr viele Menschen das Gefühl von Verlustangst. Dabei können Verlustängste verschiedene Erscheinungsformen haben.

Ein Klassiker ist die Verlustangst, welche sich in Paarbeziehungen auf den eigenen Partner bezieht. Oftmals liegt hier der Kern für andere Probleme, wie beispielweise Eifersucht und häufige Konflikte. Aber auch in Bezug auf die eigenen Kinder oder andere Familienangehörige können Verlustängste quälend sein. Dabei ist die Ursache für Verlustangst so individuell wie der Mensch selbst.

Rein rational betrachtet ist Verlustangst überflüssig. Warum? Weil Verlustangst vor einem tatsächlichen Verlust nicht schützen kann. Stattdessen nimmt sie der betroffenen Person Energie und Lebensfreude. Zudem ist die Angst vor etwas sehr oft beinahe ähnlich quälend, wie die Sache selbst. Denn das Szenario, wovor die Angst besteht, wird im Kopf immer und immer wieder durchgespielt. Dabei unterscheidet das Gehirn nicht zwischen Ängsten und realem Erleben. Die entsprechenden Körperreaktionen, wie z. B. die Stresshormonausschüttung, finden in beiden Fällen statt.

Es macht also durchaus Sinn, sich seiner Verlustängste bewusst zu werden und gegen diese aktiv vorzugehen. Denn sie können nicht nur sehr belastend sein, sondern sind zudem zwecklos im Sinne dessen, dass sie nichts Positives bewirken und schaden nicht zuletzt unserem Wohlbefinden und der Gesundheit.

 

In diesem Sinne: Befrei dich von Ängsten, nutze und genieße die Zeit, welche dir gegeben ist und verarbeite konstruktiv deine Trauer. Es gibt immer einen besseren Weg, du musst ihn nur sehen.

 

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