Trigger, Verdrängung und das Unterbewusstsein

Verdrängung, Trigger und das Unterbewusstsein

Die Zusammensetzung der Psyche ?

Das Unterbewusstsein ist ein faszinierendes Geschöpf. Ganz streng genommen, ist es zu ca. 99,9 Prozent das, was wir sind und was uns ausmacht. Je länger ich über die Macht und die im Grunde vollkommene Unkontrollierbarkeit des Unterbewusstseins nachdenke, desto mehr betrachte ich das Bewusstsein als responsive element.

Das Bewusstsein reagiert und das kann es verdammt gut, immerhin ist dies seine originäre Aufgabe. Wirklich plastisch wurde mir dieser Umstand erstmals, als ich im Unterricht zum Thema Nervensystem darüber nachdachte, was Reflexe sind.

Den Begriff Reflex kennt nahezu jeder und man weiß, wenn etwas heiß ist, zieht man reflexhaft weg, anstatt darüber nachzudenken, wie heiß es ist. Das Bewusstsein ist dabei völlig außen vor. Selbst das Gehirn hat dabei kein Mitspracherecht. Faszinierend!

Ein solcher Reflex läuft nur über das Rückenmark, um eine schnellstmögliche Reaktion zu bekommen und den Körper vor potentiellen Gefahren zu schützen. Ähnlich betrachte ich das Unterbewusstsein. Für mich ist es wie eine Reflexeinheit der Psyche. Und selbst Trigger empfinde ich bis zu einem gewissen Punkt als reflexhaft verankert. Könnten Trigger vielleicht sogar Reflexauslöser für die Psyche sein? Schließlich entziehen sie sich meines Wissens gänzlich dem Bewusstsein, was sie letzten Endes zu Triggern werden lässt.

 

Triggern und ankern

Doch wie entstehen Trigger und woran erkennt man sie?

Trigger können unangenehm sein, sehr unangenehm sogar. Wie Flashbacks werfen sie einen zurück in der Zeit und stupsen einen direkt mit der Nasenspitze auf etwas, was man eigentlich längst vergessen hat und meist auch nicht mehr sehen will. Oftmals sind es negative Erfahrungen, die solche Trigger hinterlassen.

Es gibt aber auch die Möglichkeit beim Ankern, dieses psychologische Prinzip bewusst einzusetzen, um sich selbst positiv zu beeinflussen.

Im Normalfall sind Trigger jedoch eher negativ besetzt. Sie können uns an Dinge erinnern, die wir längst vergessen haben. Meistens jedoch wühlen sie vor allem im Zusammenhang mit psychischen Erkrankungen belastende Gefühle auf.

Ein Trigger kann dabei alles Mögliche sein, was wir durch unsere Sinne wahrnehmen können. Sehr bekannt sind zum Beispiel Gerüche. Nehmen wir einen bekannten Geruch wahr, so kann uns dieser an einzelne Situationen, Geschehnisse oder Bilder erinnern und ruft dabei gleichzeitig die dazu gehörigen Gefühle wach. Gleiches können auch visuelle, akustische oder auch kinästhetische Eindrücke auslösen.

Und manchmal reicht schon „ein falsches Wort“, um auf die Palme zu gehen, obwohl im Grunde nichts weiter war. Vielleicht erinnert einen dieses eine Wort aber an eine Eigenart der eigenen Eltern, welche man bereits als Kind nervtötend fand. Es liegt selten am Gegenüber oder den Worten, die er benutzt. Wenn man genauer hinsieht, sind es die eigenen Erinnerungen und Erfahrungen, die man damit in Verbindung bringt und welche dann die entsprechenden Gefühle wachrufen.

 

Paarkonflikte und das Unterbewusstsein

Diese Zusammenhänge und Prozesse sind uns selten bewusst. Und so kann es vorkommen, dass ein Paar jahrelang über „Nichtigkeiten“ streitet und es dabei gar nicht um die Sache selbst geht.

Vor allem im Zusammenleben mit einem anderen Menschen wirken Trigger besonders effektiv. Die Partner haben zumeist eine sehr innige und intensive Beziehung zueinander, was sie jeweils auch angreifbar macht. Der eigene Partner hat meiner Meinung nach somit die besten Chancen, unbewusste Verletzungen und wunde Punkte in einem selbst „anzutriggern“.

Was wir tolerieren und was nicht, ist nicht immer eine rein bewusste Entscheidung. Vielmehr sind wir von diversen Erfahrungen samt den ganzen dazugehörigen Emotionen beeinflusst.

Demnach ist es auch nur wenig verwunderlich, dass die Art und Weise, wie der Partner etwas sagt, pure Wutattacken auslösen kann. Andere Menschen mit anderen Erfahrungen könnten darüber sicherlich mit Leichtigkeit hinwegsehen, haben dafür aber einen anderen wunden Punkt, welcher ebenso „irrational“ erscheint.

 

Trigger und andere Beziehungen

Doch Trigger besitzen nicht nur in Liebesbeziehungen oder anderen zwischenmenschlichen Beziehungen große Relevanz, sondern auch und vor allem in der wichtigsten Beziehung, die wir führen: die Beziehung zu uns selbst.

Manchmal gibt es Situationen, da fühlen wir uns von jetzt auf gleich schlecht. Dabei verstehen wir selbst die Welt nicht mehr und können uns diesen Stimmungswandel nicht erklären.

Die Wahrscheinlichkeit, dass uns an dieser Stelle ein unbewusster Trigger über den Weg gelaufen ist, ist hoch. Je nachdem, worauf man reagiert und warum, können das ganz verschiedene Themen und Situationen sein.

Vielleicht bekommst du schlechte Laune, wenn du auf dein Konto siehst und bereits am Anfang des Monats schon wieder Ebbe ist.

Oder du wirst plötzlich wütend, wenn du jemanden siehst, der eine bestimmte Art zu gehen /zu sprechen / zu lachen / zu gestikulieren hat.

Das sind jeweils nur recht kurzweilige Auswirkungen von Triggern. Besondere Wichtigkeit besitzen Trigger meines Erachtens beim Thema Depression und Stimmungsschwankungen.

 

Am Anfang steht die Verdrängung

Eine Depression kann potentiell zu jeder Zeit in unser Leben treten. Ich bin der Meinung, dass dies jedoch meist nicht plötzlich geschieht, sondern die Depression latent bereits vorhanden war. Sie kann beispielsweise durch einen Trigger, welcher dem Betroffenen nicht bewusst ist, ausgelöst werden.

Oftmals wirken Trigger als Auslöser einer Depression in Form einer unbewussten Erinnerung an ein früher erlebtes traumatisches Ereignis. In meinem Artikel Entstehung von Depressionen riss ich dieses Thema bereits an. Hier beschrieb ich die Depression als vagabundierendes Gefühl, welches ursprünglich von der kindlichen Seele ins Unterbewusstsein verdrängt wurde, um mit einem erlebten Trauma umgehen zu können.

Die Verdrängung ist dabei meiner Meinung nach der Ursprung jeder psychischen Erkrankung. Bereits im Studium lernte ich, dass Sarkasmus in der Kindheit mit späterer Schizophrenie in Zusammengang gebracht werden kann. Sarkasmus ist m. E. in der Regel negativ und hinterlässt beim Gegenüber ein unsicheres und negatives Gefühl. Ich vermute, dass diese negativen Gefühle von Kindern ebenfalls wie andere Formen von Misshandlung verdrängt werden.

Gleichzeitig bin ich davon überzeugt, dass Trigger nur solange als Trigger funktionieren, wie wir uns der Reiz-Reaktions-Kette nicht bewusst sind. Sobald wir die Auslösenden Zusammenhänge und beteiligten Faktoren identifiziert haben, verlieren Trigger einen Großteil ihrer Macht über uns.

Mit anderen Worten: Wenn wir wissen, warum wir über etwas traurig, wütend oder frustriert reagieren, nimmt dieses Wissen darum dem Ganzen die Macht. Wir können wieder rationaler mit dem Gefühl umgehen, da wir merken, dass der andere nichts dafür kann, dass er z. B. die gleiche ungeliebte Redewendung, wie der Vater oder die Mutter benutzt.

Vermutlich würde es uns immer noch stören und sicherlich auch das entsprechende Gefühl in uns auslösen, aber auf die Art und Weise, wie wir damit umgehen, können wir nun Einfluss nehmen. Und mit etwas Glück schaffen wir es vielleicht sogar, den Trigger durch eine neue Verknüpfung zu überschreiben und damit zu löschen.

Im Grunde ist alles eine Frage der Perspektiv und unserer Denkweise.

Ein Haus hat vier Seiten. Vier verschiedene Menschen, die jeweils an einer Seite des Hauses stehen, nehmen ganz verschiedene Bilder wahr. Dennoch betrachten alle dasselbe Haus.

 

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