Die Entstehung von Depressionen - Ist seelisches Leiden vorherbestimmt

Die Entstehung von Depressionen – Ist seelisches Leiden vorherbestimmt?

Faszination Depression ?

Das Thema Depressionen interessiert und fasziniert mich schon seit jeher. Vermutlich, weil ich selbst weiß, wovon ich dabei spreche und jahrelang auf der Suche nach DER Lösung war. Es ist ein Thema, so komplex, wie vielschichtig und daher verwundert es mich nicht, dass ich Jahre brauchte, um mich selbst zu verstehen und für mich den Schlüssel zu finden.

Wenn man sich mit der gängigen Fachliteratur auseinandersetzt, so wird wissenschaftlich in verschiedene Arten der Depression untergliedert. Dabei ist oftmals die zugeschriebene (vermutete) Entstehung ausschlaggebend. Vermutet sage ich deshalb, weil ich der Meinung bin, dass niemand so genau sagen kann, was zuerst da war. Ei oder Henne bzw. chemisches Ungleichgewicht im Gehirn oder die Depression.

So wurde mir vor vielen Jahren eine Depression eben als chemisches Ungleichgewicht im Gehirn erklärt. Ich erinnere mich noch sehr gut daran. Damals war ich noch auf der Uni und vermutlich liegt es in der Natur von Studenten, alles zu hinterfragen. Ich dachte also darüber nach und fragte, ob es nicht auch möglich sei, dass das chemische Ungleichgewicht überhaupt erst durch eine bestehende Depression ausgelöst worden sein könnte.

Meine Überlegung wurde bestätigt. Man wisse es schließlich nicht zu 100 Prozent. Beides ist also möglich. Dass der Geist den Körper, in diesem Falle die Hirnchemie, beeinflusst, steht medizinisch meines Wissens heutzutage außer Frage.

 

Die Psyche und vagabundierende Gefühle

Ich persönlich bin der Auffassung, dass Depressionen verspätete Traumaverarbeitungsmechanismen sind. Doch wie, was und warum überhaupt?

In meinem Artikel: Verlustängste, Verlust und das Leiden in der Trauer habe ich es bereits kurz angesprochen. Ich bin davon überzeugt, dass eine manifeste Depression aus „vagabundierenden“ Gefühlen heraus erwachsen kann. Das Wörtchen KANN verwende ich an dieser Stelle ganz bewusst, denn nicht jeder Mensch, der subjektiv betrachtet ein Trauma erlebt hat, erkrankt auch immer an einer Depression. Es scheint also verschiedene Faktoren zu geben, die möglicherweise zusammenspielen müssen, umdass jemand tatsächlich Depressionen entwickelt.

Doch was kann man sich nun unter vagabundierenden Gefühlen vorstellen? In meiner Vorstellung von Depressionen sind diese nahezu immer traumainduziert. Das heißt, jemand hatte – zumeist in der Kindheit – eines oder mehrere traumatische Erlebnisse, welche die kindliche Seele überfordern und verdrängt die damit in Verbindung stehenden negativen Gefühle ins Unterbewusstsein. Dort werden sie von der Psyche mehr oder weniger gut zugedeckt. Die große Schwierigkeit stellt dabei in meinen Augen die Anfälligkeit für Trigger dar. Auch wenn einem selbst das verdrängte Gefühl längst nicht mehr bewusst ist, so schlummert es dennoch immer noch im Unterbewusstsein und kann durch einen entsprechenden auslösenden Reiz an die Oberfläche geholt werden.

Das Ergebnis kann dann eine Depression sein. Muss es aber nicht.

Ausschlaggebend ist die Art und Weise, wie wir damit umgehen bzw. umzugehen gelernt haben. Besitzen wir Lösungsstrategien, oder befinden wir uns noch immer in einer psychisch kindlichen Situation, wodurch eine Überforderung durch diese Gefühle auftreten kann?

 

Die Komplexität der Psyche

Was macht also den Unterschied, zwischen resistenten Personen und Menschen, die der Depression scheinbar willenlos ausgeliefert sind?

Zwar gibt es viele Theorien und Vermutungen, doch ich vermute, dass wir auf diese Frage eventuell niemals eine eindeutige Antwort erhalten werden. Jeder Mensch ist so einzigartig und unheimlich komplex in seinem Seelenleben, dass eine eindeutige Zuordnung von vorherbestimmenden Faktoren meines Erachtens unmöglich sein dürfte.

Aber dennoch lohnt es sich natürlich, über diese Frage nachzudenken.

 

Widerstandkraft und Resilienzfaktoren

Allgemeinhin wird Faktoren, wie den individuellen Lebensumständen, der persönlichen Genetik und auch der Ernährung im Rahmen der Resilienzentstehung (Widerstandskraft / Resistenz gegen Depressionen) eine Bedeutung zugeschrieben. (keine Garantie und kein Anspruch auf Vollständigkeit der Faktoren)

 

Individuelle Lebensumstände

Bei den individuellen Lebensumständen geht man meines Wissens davon aus, dass vor allem soziale bzw. soziokulturelle und sozioökonomische Faktoren einen großen Einfluss auf die Widerstandskraft gegen die Entwicklung einer Depression haben. Ich denke dabei immer wieder an mein Studium und die für mich untrennbar miteinander verbundenen Disziplinen der Soziologie und der Psychologie. So fand ich Parsons Rollentheorie als Basis aller folgenden gesellschaftlichen Rollenmodelle vor allem in Verbindung mit Freuds Psychoanalayse extrem spannend. (Aber das nur am Rande.)

Ich bin davon überzeugt, dass ein stabiles soziales Umfeld einen starken Schutz gegen Depressionen darstellt. Genauso, wie das Fehlen eines solchen sozialen Umfeldes Depressionen Vorschub leisten kann. Da dies aber nur ein Aspekt von vermutlich unendlich vielen ist, kann dieser durch ein Vorhandensein von entsprechenden anderen Resilienzfaktoren kompensiert werden.

 

Persönliche Genetik

Man hört bzw. liest es hier und da immer wieder. Die Depression gilt als vererbbar. Demnach geht die wissenschaftliche Medizin davon aus, dass es eine bestimmte genetische Veranlagung zur Entwicklung von Depressionen gibt.

Ich würde das nicht bezweifeln, doch finde ich, dass das Suggerieren von Genen, die bestimmte Krankheiten begünstigen, irgendwie immer als Determinismus kommuniziert werden. Vielleicht geht es nur mir so, aber ich habe bei dem Reden über die genetische Disposition zu Depressionen immer das Gefühl, als hätte man selber keine Wahl mehr. Als sei man dazu verurteilt, unter Depressionen zu leiden.

Allerdings bin ich mir ziemlich sicher, dass dies gar nicht so gemeint ist und gemeint sein kann. Natürlich verkaufen sich Schlagzeilen á la „Gen für Depression entdeckt“ besser als, wenn man über die genetische Disposition als Modifikation berichtet. Und als nichts anderes betrachte ich die persönliche Genetik – als das Vorhandensein eines bestimmten Bereichs, welchen wir durch unser Handeln und Denken selbst ausgestalten können. Gene hin oder her. Man weiß schließlich auch, dass nicht immer alle Gene zu jeder Zeit aktiv sind und diese durchaus auf äußere Faktoren reagieren. Ich weiß zwar nicht mehr wo ich das gelesen habe, aber sicherlich kann man danach (wie nach so ziemlich allem) googlen.

 

Ernährung

Eines meiner Lieblingsthemen. Ich bin davon überzeugt, dass man mittels Ernährung so viel im Guten, wie auch im Schlechten beeinflussen kann. Man ist, was man isst – ist für mich definitiv weit mehr als ein bloßer Spruch. Wenn man erkannt hat, welche tiefgreifende Wahrheit dem zugrunde liegt, gleicht es einer Offenbarung.

Jedes noch so kleine Krümelchen, welches in unseren Körper gelangt wird auf die eine oder andere Weise verarbeitet, bevor es wieder herausgelangt. Wie kann man dabei denken, dass es egal ist, wie dieser Krümel aussieht, beschaffen ist und aus welchen Bestandteilen er sich zusammensetzt?

Daher halte ich es für alles andere als abwegig, dass die Ernährung einen eventuell sogar bisher unterschätzten und maßgeblichen Einfluss auf die Genese von Depressionen haben kann. In diesem Zusammenhang liest man vor allem immer wieder von Serotonin und damit verbunden natürlich von Tryptophan, einer essenziellen Aminosäure, die für die Bildung des Botenstoffes Serotonin von entscheidender Bedeutung ist. Serotonin dürfte den meisten als das Glückshormon bekannt sein. Ich denke, das sagt bereits viel aus und legt den Zusammenhang zwischen einem fehlen von Serotonin und der Entstehung einer Depression nahe.

Dies ist nur ein Beispiel über den Zusammengang von einzelnen Stoffen im Körper und psychischen Ungleichgewichten. Meines Erachtens hat nahezu jeder Mangelzustand das Potential, uns in unserem Wohlbefinden einzuschränken und im schlimmsten Falle krank zu machen. Dass sich dies nicht auf Depressionen beschränkt, dürfte jedem verständlich sein. Umso mehr fasziniert mich der immer mehr zu beobachtende Trend Richtung bio, ökologisch und natürlich. Ich bin der Meinung, wir als Gesellschaft haben viel zu lange unser Bewusstsein für Natürliches vernachlässigt. Mit teilweise fatalen Folgen für die Gesundheit.

 

Die Depression ist kein Schicksal

Um die brennende Frage, warum manche Menschen unter Depressionen leiden und andere nicht aus meiner Sicht und unter Berücksichtigung der drei benannten Faktoren zu beantworten:

Jeder Faktor für sich kann sich entweder positiv oder negativ auf uns auswirken. Wie er sich auswirkt, haben wir ganz allein in der Hand. Niemand außer uns hat die Möglichkeit, unser Leben zu gestalten und Veränderungen vorzunehmen. Ich kann mich gesund ernähren und bewusst leben, oder ich kann das Gegenteil tun. Die Genetik legt m. E. lediglich eine gewisse Neigung zu bestimmten Zuständen wie z. B. Depressionen fest, in welche Richtung des genetischen Kontinuums wir gehen, entscheiden wir selbst.

Auch haben wir selbst es in der Hand, ob wir uns zurückziehen, oder auf andere zugehen, Kontakte pflegen und Freundschaften aufrechterhalten. Für mich gibt es daher keinen Determinismus. Es gibt für mich keine Vorherbestimmung, an Depressionen zu erkranken – es gibt nur Lebensumstände, die wir selbst wählen.

 

Wähle jetzt den richtigen Weg für dich und deine Zukunft!

 

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